Der Kartoffelkrieg anno 1923 in der Region Overath/Bergisches Land

Der Kartoffelkrieg anno 1923 in der Region Overath/Bergisches Land
Bewertung abgeben

Leserkommentar: Womit man auch in Deutschland in Zukunft wieder rechnen könnte:

— Der Kartoffelkrieg 1923 —

Wie Hamstern in Plündern übergeht, davon gibt der sogenannte Kartoffelkrieg, der sich im Oktober 1923 im Bergischen Land in der Gegend von Overath abspielte, einen kleinen Vorgeschmack. Damals ließ – als Folge der Weltwirtschaftskrise – eine galoppierende Inflation die Lebensmittelpreise rapide ansteigen. Fabriken und Betriebe standen still, und große Teile der Bevölkerung waren ohne Arbeit und Geld. Der Hunger trieb die Städter in immer größeren Scharen aufs Land. In Massen quollen sie aus den überfüllten Zügen.

Im Herbst 1923 ging es den Hamsterern dabei vor allem um Kartoffeln, von denen Mitte Oktober ein Sack den gewaltigen Betrag von einer Milliarde Mark kostete, einen knappen Monat später aber bereits 500mal soviel. Da die Bauern bald keine Kartoffeln mehr tauschen konnten oder wollten oder auch zuviel dafür verlangten, gingen ganze, Trupps von Hamsterern dazu über, sie aus den Feldern auszugraben. Den Preis dafür bestimmten sie selber. Das währte einige Tage. Dann bezahlten sie gar nichts mehr, sondern nahmen sich sogar noch Pferd und Wagen und fuhren die gestohlenen Kartoffeln zum Bahnhof. Die Bauern liefen hinterher. Auf den Feldern kam es zu Zusammenstößen zwischen Plünderern und Bauern, aber die Plünderer behielten wegen ihrer großen Zahl fast immer die Überhand. Die örtliche Polizei war machtlos. Ihre Anforderungen von Verstärkung und militärischem Schutz wurden abgeschlagen. Die englische Besatzung in Köln erklärte sich für nicht zuständig, und die französische Besatzung in Siegburg wollte nur unter der Bedingung helfen, daß die Bauern die »Rheinische Republik« ausriefen. Da schritten die Bauern zur Selbsthilfe. Mit Knütteln, Mistgabeln, Dreschflegeln bewaffnet, traten sie am Morgen des 26. Oktober vor dem Overather Bahnhof an, von dem die meisten Raubzüge der Plünderer ihren Ausgang nahmen. Die mit dem Frühzug ankommenden Kömer wurden zurückgeschickt, aber dann lief der 9-Uhr-Zug ein, vollgepfropft mit Menschen, die entschlossen waren, sich Lebensmittel zu verschaffen. Sie drängten aus dem Bahnhof hinaus und suchten die Absperrung zu durchbrechen. Einigungsversuche der Besonnenen fruchteten nichts. Steine und Flaschen flogen, Hacken wurden geschwungen, und unter lautem Johlen setzte ein so gewaltiges Vorwärtsdrängen ein, daß die Kette der Bauern nicht mehr standhielt. Die Plünderer brachen durch; über zahlreiche Verletzte hinwegtrampelnd, fluteten sie in den Ort hinein. Eingekeilt in die hin und her wogende Masse fürchteten einige berittene Bauern um ihr Leben. Die Aggressiveren unter den Plünderern, unter denen sich auch freigelassene Zuchthäusler befanden, versuchten, sie vom Pferd zu reißen. Von Panik erfaßt, griff ein Knecht zur Pistole und schoß in die Menge hinein. Zwei Menschen sanken zu Boden. Einer war sofort tot, der andere starb im Krankenhaus. Eine rasende Wut erfaßte die Menge. Der Schütze wurde vom Pferd heruntergezogen; es gelang ihm noch, sich loszureißen und eine Strecke weit zu fliehen, dann wurde er eingeholt und zu Tode geprügelt, die Leiche bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Nach dieser Bluttat rückten die Plünderer in Richtung Köln zurück. Am nächsten Tag blieb alles ruhig. Doch am darauffolgenden Tag kamen sie wieder in großen Scharen an, und nun war niemand da, der sie aufhielt. Ausgerüstet mit Hacken, Säcken und Karren fielen sie über die Kartoffelfelder her. Von ferne sah es aus – wie der Chronist, der Overather Bürgermeister Simon, schreibt -, als ob Krähenschwärme sich auf den Äckern niedergelassen hätten. Große Trupps zogen auch über die Höfe, drangen in die Bauernhäuser und Ställe ein und stahlen alles, was sie an Eßbarem fanden. Hühner und Gänse wurden totgeschlagen und mitgenommen. Die Einheimischen schauten resigniert zu, wie die Plünderer ihren Raub zum Bahnhof schleppten, der fest in der Hand der Plünderer war. Dort gab es bereits Hehler, die das Gestohlene aufkauften und in Waggons verluden. Der ganze Ort glich einem Zigeunerlager. Zu weiteren Raubzügen kam es in der Overather Gegend jedoch nicht mehr. Die Bergarbeiter, die um ihre Kartoffel-Versorgung fürchteten, blockierten gemeinsam mit den Bauern die Bahnhöfe an der Agger- und Sülztalstrecke. Etwas später konnte auch erreicht werden, daß sämtliche Tageszüge in diese Richtungen eingestellt wurden. Die Plünderer verlegten daraufhin ihre Tätigkeit in andere Gebiete. — Gewissen Studien zufolge sollen die Böden in Deutschland ohne Dünger und Phosphate nur Nahrungsmittel für ca. 45 Millionen Menschen hergeben. Bei der heutigen Mobilität könnten dann schnell Millionen in ländliche Gebiete einfallen. Andererseits können viele Menschen mit den Rohprodukten nichts mehr anfangen und würden vor einem Eimer Kartoffeln verhungern, weil sie nicht wissen, wie man die schält. Vor allen Dingen wüßten Viele garnicht, was sie Plündern sollen, weil sie nicht wissen wie die Nahrungsmittel in der Urform überhaupt aussehen. Weiterhin sind manche Nahrungsmittel selbst halbwegs „erfahrenen“ Menschen gänzlich unbekannt. Es gibt beispielsweise eine Pflanze, die liefert Erträge wie Kartoffeln, wird ähnlich angebaut, ist anspruchsloser, wird genauso zubereitet, ist gesund und kann bei Frost im Boden bleiben und geerntet werden, wie man sie braucht. Was aber fast am wichtigsten ist, man kann sie problemlos selbst vermehren und ist diesbezüglich völlig unabhängig (ich spreche hier aus eigener Erfahrung). Deshalb ist das Diebstahlrisiko recht begrenzt, weil diese Pflanze kaum einer auf dem Speiseplan hat. (Gemeint ist Topinambur) [11:25] Leserkommentare-DE zu den Kartoffeln: (1) Warum wird denn die Topinambur nicht beim Namen genannt? Weil die, die sie nicht kennen, es nicht „wert“ sind, darüber zu erfahren? (2) Falls mit der Kartoffelersatzpflanze Topinambur gemeint sein sollte, hat der Kollege nicht ganz Unrecht. Kennt kaum jemand und kann die Kartoffel gut ersetzen. Verträgt auch den Frost sehr gut und ist auch sonst recht anspruchslos. Wächst fast überall. Kann ich nur empfehlen. Jedoch muß die Pflanze gut vor den Sauen geschützt werden, da sie von Ihnen als Delikatesse sehr geschätzt werden. Quelle: http://www.hartgeld.com/krisenvorbereitung.html

Unterstützung für diesen Blog:

Wer den Blog unterstützen will kann findet hier einige Ideen. Vielleicht sind ja Mikrozahlungen von einem Euro/Monat möglich? Virtuelles Hausrecht Behörden, insbesondere Ämtern, juristischen Personen des öffentlichen Rechts, in dieser Weise beliehenen Personen und Anstalten öffentlichen Rechts ist der Zutritt, jegliche Verwendung meiner E.-Mail Nachrichten verboten. Dieses Verbot betrifft auch alle Empfänger , die den Betreibern und Autoren, Inhalten und Darstellungen des Versenders in irgendeiner Weise Schaden zufügen wollen. Weiterhin gilt Artikel 5 GG

Schreibe einen Kommentar